Folkwang Schule 1948 – 1955

Folkwangschule Essen – Werden

Die ersten Stunden des Studiengangs >Industrial-Design< in Essen 1948 bis 1955.

Pressemitteilung Deutscher Designer Verband e.V. (Quelle: verbaende.com und idruhr.de):

Deutscher Design Verband tagt in Essen – Essener Studiengang Industrial Design wird 50
(Essen) – „wirtschaft(s)macht design“ ist der Titel des sechsten Jahreskongresses des Deutschen Designer Verbands, der am 5. und 6. November im Design Zentrum Nordrhein Westfalen in Essen stattfindet. Erwartet werden über 200 Designer aus ganz Deutschland. Sie diskutieren über das Verhältnis von Markt und Design sowie über richtungsweisende Konzepte.

Anlass für die Tagung in Essen ist der 50. Geburtstag des Studiengangs Industrial Design an der Universität Essen. Der Fachbereich wird im Rahmen des Kongresses auch eine Ausstellung mit aktuellen Modellen und Entwürfen von Studenten sowie mit Arbeiten früherer Absolventen zeigen.

Hier der Vortrag von Prof. Norbert Schlagheck (ehemaliger Student 1948 bis 1955)

prof-norbert-schlagheck

Die ersten Stunden des Studiengangs >Industrial-Design< in Essen 1948 bis 1955.

Meine Damen und Herren,

man hat mich gebeten, einige Worte zu den ersten Stunden des Industrial Design hier an der Folkwangschule zu sagen und natürlich tue ich das gerne.
Das nicht nur, weil ich mich der Folkswang-Schule nach wie vor sehr verbunden fühle: Es gibt ja Wagnerianer, die pilgern jedes Jahr nach Bayreuth, und es gibt uns, Folkwangerianer.

Letztes Jahr noch, um die Jahreswende, da hatte ich – in meinem Alter wird man ja gerne sentimental – einen Familienausflug nach Essen-Werden veranlaßt – wir nennen dergleichen Exkursionen „Reise in die Vergangenheit“ -, aber als ich dann erneut in den Fluren der Abtei stand, dort, wo wir 1948 mit dem, was wir heute Industrial Design nennen, begonnen haben, als ich Studenten kommen und durch die Flure hasten sah, erneut die Etüden der Musikklässler hörte, die es ja auch schon damals gegeben hatte, da waren mir die Jahre des Beginns so gegenwärtig und nah, daß mich nicht groß überrascht hätte, wenn plötzlich einige der Hauptfiguren in dem Gründungsdrama, über das ich ja jetzt kurz berichten soll, hinter irgendeiner Ecke aufgetaucht wären und – in gewohnter Manier – gefragt hätten: „Schlagheck, was machen wir denn jetzt?“.

Wieder einer, werden Sie sich jetzt denken, der – in typischer Altersverklärtheit – von den „ersten Stunden“ sogleich auf die „Kraft des Beginnens“ kommt, von der „Energie des Aufbruchs“ bramarbasiert, von den „neuen Ufern“.

Und, in der Tat: Genau in diesen schlimmen Befürchtungen möchte ich Sie bestätigen.
Weil es damals, 1948/1949 in Essen, wirklich ein Beginn war. Weil es kraftvolle, herrliche Jahre waren, nicht nur in der Erinnerung. Weil sie auch gänzlich unerwartet kamen, fast en passant, wie improvisiert.
Ich will das erläutern, weil es Teil des Essener Beginns war, vielleicht das Herzstück.

Erster Folkwang Werkkunstschule Katalog 1948/1950

folkwang-werkkunstschule-titelbild-katalog-1948-1950-gruga-essen-skulptur-norbert-schlagheck-800w

Natürlich begann in jener Zeit alles irgendwie „aus dem Nichts“. Der Krieg war vorbei. Deutschland, Essen und das Ruhrgebiet waren ein Trümmerhaufen, und das eben auch im übertragenen Sinne.

Die akuten Nöte des Überlebens bestimmten das Leben. Gleichzeitig herrschte aber auch diese tiefe Gefühl, aus einem langen, tiefen Tunnel endlich herausgekommen zu sein; es gab diesen Hunger nach Modernität, nach neuen Lebens- und Gestaltungsformen, um es kurz und bündig zu sagen: Nach Freiheit.

Als die Stadt Essen 1946 den Entschluß faßte, die Folkwang-Schule für Gestaltung wieder aufzubauen, war das gewiß eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Es war aber eine Entscheidung gewissermaßen eher „aus dem Bauch“, durch die Erfordernisse des Wiederaufbaus bedingt, als aus dem „Überbauch“, wenn ich das mal so sagen darf.
Um es an einem Detail festzumachen: Von einer Veranstaltung wie die 1955 zur Eröffnung der Ulmer Hochschule für Gestaltung, sicher eher eine „Überbauchveranstaltung“ in der obigen Terminologie, ist in Essen nicht zu berichten. In Essen also „Bauch“. 1948 beschloß man, die Folkwangschule in das alte Abteigebäude nach Essen-Werden zu verlegen. Was ebenfalls eine pragmatische, auch gute Entscheidung war:
Eine Abtei erstens, die aber zweitens auch schon mal als Zuchthaus gedient hatte, muß ein guter Nährboden für angehende Formgestalter sein.

Folkwangschule – Abtei Essen Werden

folkwangschule-abtei-essen-werden-800w

Das war der Stand der Dinge, als wir 1949 in Essen antraten. Wenn ich „wir“ sage, so meine ich die erste, sehr kleine Gruppe von etwa 6 Studenten. Und auch da bestätigt sich das Bild vom fast improvisierten Anfang, vom „Bauchbeginn“.

Lassen Sie mich, für dieses eine Mal, mich selbst als Beispiel nehmen.

An die Folkwangschule hatte ich mich 1948 zur Aufnahmeprüfung gemeldet, weil ich – als Schlosser, Kunstschmied und Gürtler, zwischenzeitlich notgedrungen auch als Spreng-, Waffenmeister und Pionier – hier auf höhere Weihen hoffte und dabei an eine Gold- und Silberschmiedeklasse dachte, wie sie vor dem Kriege von Elisabeth Treskow in Essen geleitet worden war.
Sie merken schon: Ich hatte von Industriedesign keine große Vorstellung und, nein, ich träumte nachts auch nicht vom Bauhaus! Nun kam es aber so, daß Frau Treskows Nachfolger, Karl Scharge, schon kurz nachdem ich meine Aufnahmeprüfung bestanden hatte – ich will keinen kausalen Zusammenhang unterstellen – Folkwang verließ und Direktor der Werkkunstschule in Münster wurde.

So stand ich da, und auch den anderen, die mit mir anfingen, war es nicht viel anders ergangen. Will sagen: Es war alles offen zu Beginn und alles hätte anders kommen können. Wir alle, die in Essen antraten – und das war typisch für diese unmittelbare Nachkriegszeit – wollten die Dinge zum Besseren bewegen, gestalten und antreiben. Aber es gab – anders vielleicht als in Ulm einige Jahre später – dafür kein allumspannendes Konzept, kein „So – und nicht anders!“, nicht einmal das Bauhaus hatte diese Rolle.

Die ersten Jahre in Essen – das war mehr als alles andere Pioniertat, ”Losziehen”, spontanes Engagement, Kreativität der Gruppe, auch simples Durchwursteln, es war die Kunst, angesichts spärlichster Ressourcen aus dem Mangel und der Improvisation, eine Kunst zu machen, es war das Prinzip von Versuch und Irrtum.

Nun mögen Sie sagen, es hätte schiefgehen können. Gewiß!
Das es kam, wie es gekommen ist, ich Ihnen heute nicht als Gold- oder Silberschmied vortrage, sondern als Indus­trial Designer – mit immerhin über 50 Berufsjahren im Nacken – , hat mehr als alles andere mit den prägenden Figuren dieser ersten Essener Jahre zu tun:

Vier will ich benennen:

Zunächst den Leiter der Folkwang-Werkkunstschulen, Prof. Herrmann Schardt, der Graphiker war und der die allmähliche Ausbildung des neuen Faches sozusagen letztverantwortete.

Dann Max Burchartz, der bereits vor 1933 an der Folkwang-Schule tätig war, dann wieder als Leiter der Vorlehre gewonnen werden konnte. Burchartz war für uns Lehrer, Freund und Berater in einem, aber auch er war mehr Eklektiker als strenger Theoretiker. Er erzählte uns von seinen Studien, vom Leben in Paris, seiner Freundschaft zu Mondrian und Theo van Doesburg, von De Stijl, seinen Beziehungen zur Industrie und erledigte dann mehr so nebenbei auch die die Unterrichtung der Grundgesetze visueller und haptischer Wahrnehmung.

Ausschlaggebend für den weiteren Gang der Dinge wurde aber Werner Glasenapp. Der kam, aus dem Baltikum stammend, aus Hannover, war als Absolvent der Dresdner Akademie Goldschmied, hatte aber im väterlichen Betrieb und bei Unternehmen in Weimar und Dessau auch Erfahrungen als Gestalter industrieller Produkte gesammelt.

Glasenapp überraschte von Beginn an. Mit die erste gestalterische Arbeit, die er uns abverlangte, war die Wanzenjagd, als es darum ging, in der Abtei nunmehr Räume für den Lehrbetrieb und für seine Familie bereitzustellen. Auf kleinstem Raum und mit den bescheidensten Mitteln fingen wir an, und Glasenapp inspirierte und orchestrierte diesen Neubeginn.
Werkstätten wurden nach und nach eingerichtet, eine erste, sehr rudimentäre Unterrichtsstruktur entwickelt. Es ging Glasenapp vor allem zunächst um eine Art Sammlung der Kräfte, eine Art Bestandsaufnahme, wo standen wir und wohin wollten wir uns dann unterwegs machen.

Ich erinnere mich, daß Glasenapp aus dem Ruhrlandmuseum, das damals provisorisch auch in der Abtei untergebracht war, Skelette von Tieren holen ließ und wir saßen dann da über Bären- und Wildschweinschädeln und diskutierten über Form und Funktion. Glasenapp führte philosophische Diskussionen ein, ließ uns mathematische und abstrakte Formen untersuchen und dreidimensionale Formkataloge erstellen. Schließlich begannen wir uns mit Fertigungsverfahren auseinanderzusetzen, Modelle und Prototypen zu erstellen; Großserien gerieten in den Blick.

Werner Glasenapp und seine ersten 6 >Industrie-Design< Studenten

Erstes Semester 1949 Gestaltlehre – Körper

folkwangschule-erstes-semester-1949-gestaltlehre-koerper-schlagheck-design-archiv-800w

Wechselspiel zwischen Natur und Kunstform

folkwangschule-wechselspiel-zwischen-natur-und-kunstform-schlagheck-design-archiv-800w

Freie Formstudie in Ton

freie-formstudie-in-ton-norbert-schlagheck-schlagheck-design-archiv-800w

Konkrete, mathematische Form

konkrete-mathematische-form-norbert-schlagheck-schlagheck-design-archiv-800w

Freie Formstudie in Draht

freie-formstudie-in-draht-schlagheck-design-archiv-800w

Freie Formstudien in Ton

folkwang-freie-formstudien-in-ton-schlagheck-design-archiv-800w

Das Ganze aber, ohne den Bezug zu den anderen Folkwang-Disziplinen zu verlieren. Glasenapp bestand darauf, daß wir am wöchentlichen Vorspiel der Musikklassen, am Vortanzen der Ballettgruppe teilnahmen, daß wir engen Kontakt zu den anderen Fächern hielten – was dann gelegentlich auch dazu führte, daß er eine Woche lang allein in Essen-Werden saß, weil die gesamte Metallklasse die letzten Pfennige zusammengekratzt hatte und mit einigen Tänzerinnen und Bildhauerinnen nach Amsterdam unterwegs war – in gestalterischer Absicht, versteht sich. – Auch die berühmten Folkwang-Feste waren interdisziplinär. Wochenlang wurden sie vorbereitet, wir in der Metallklasse entwickelten mehrfach patentfähige Gebilde, so eine Grillvorrichtung für einen Ochsen für ein Fest, das unter dem Motto stand: ”Nach der Schlacht im Teutoburger Wald”.
Seien Sie beruhigt, ich werde davon Abstand nehmen, heute nochmals die Rede des Germanenfürsten zu Gehör zu bringen.

Glasenapp jedenfalls war und blieb Zentrum der Bemühungen, das Musische nach dem Praktischen zu ergänzen. Sein Credo war: die Dinge in jeglicher Hinsicht in die Hand zu nehmen, drehen und zu wenden, aus dem direkten, unverstellten Umgang Schlüsse zu ziehen, vor allem aber dann: zu tun, zu machen. Er war ein Meister des ruhigen Bewegens, der suchenden Konzentration auf das Wesentliche, schließlich des entschiedenen Tuns.

Neben ihm – sozusagen als ein Sancho Panza – muß ich Gustav Bröschen erwähnen, der als Werkmeister 1950 zu Folkwang stieß. Das war nun das handwerkliche Pendant, ein Alles-Könner von Gnaden, Freund von uns Studenten, gleichzeitig Beichtvater, Fürsprecher am Throne Glasenapps, Gelegenheitsbankier im Falle akuter studentischer Budgetkrisen, Hotelagent: Wenn es zur Hannover-Messe ging, wohnten wir allesamt bei seiner Mutter.

Nun will ich nicht den Eindruck vermitteln, als habe sich die Formgestaltung hier in Essen geradezu nach dem Autopilot-Verfahren entwickelt. Natürlich gab es bald schon Lehrpläne, Lehrkonzepte, es gab die Vorlehre, Gestaltungs- und Konstruktionsübungen, die Arbeit in den Werkstätten, später das Studio für Industrieform, alles aus der Praxis entwickelt und auf die Praxis hin ausgerichtet.
Das war alles wichtig, ist es heute noch, will ich als langjähriger Dozent für Industriedesign schnell hinzufügen. Aber es ist nicht alles. Was zählt, es ist überall dasselbe, ist letztlich Persönlichkeit.

Ich entsinne mich, einige Zeit, nachdem wir angefangen hatten, Glasenapp, den wir Studenten inzwischen geradezu verehrten, gefragt zu haben, wann es denn nun mit der Goldschmiederei losgehen würde. Da sagte er mir in diesem freundschaftlichen Ton, den er immer hatte: ”Schlagheck, in dieser Zeit gibt es Wichtigeres! ” Er meinte konkret den Auftrag der Stadt Essen – unseren ersten – neue Schulmöbel für die Schulen der Stadt zu entwickeln. Was nicht einfach war, weil es außer ein paar Winkel- und Profileisen und Sperrholz nichts gab.
Glasenapp meinte es aber auch über den Tag hinaus. Ihm war klar, daß die industrielle Fertigung und also die Gestaltung von Industriegütern die wahrhaft zeitgemäße Aufgabe sein würde.

Schulmöbel – Norbert Schlagheck in der Werkstatt

norbert-schlagheck-in-der-folkwang-werkstatt-schlagheck-design-archiv-800w

Im übrigen wurden unsere Schulmöbel dann 1950 auf der ersten Gruga-Ausstellung in Essen ausgezeichnet. Es ist ganz hilfreich, aus dem Katalog der Folkwangschule dieses Jahres kurz zu zitieren:

”Die Hinführung zum Wesen der harmonischen Gestaltform”

heißt es da

”ist die wichtigste Aufgabe der Werkkunstschulen; sie ist nicht zu trennen von der Persönlichkeitsbildung der Studierenden; nur aus dem tieferen Erleben verantwortungsbewußter Persönlichkeiten können gute Formen neu geschaffen werden. Ausbildungsziel der Werkgruppen für industrielle und handwerkliche Formgebung ist der aufgeschlossene Handwerker mit formalem und technischem Können und der Industrieentwerfer, ein Techniker neuer Prägung, der die Fähigkeiten und Kenntnisse eines Konstrukteurs, künstlerischem Formgebers und Werkmeisters in einer Person vereinen soll”.

Zitatende.

Die uns heute etwas ungewohnte Sprache einmal außen vorgelassen, die Philosophie der ersten Jahre Folkwangs nach dem Krieg ist da gut zum Ausdruck gebracht.

Folkwang – Produkte

Folkwang – Schulmöbel

folkwang-schulmoebel-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Notenständer

folkwang-notenstaender-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Gewerbeschultisch

folkwang-gewerbeschultisch-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Staffelei

folkwang-staffelei-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Hörsaalgestühl

folkwang-hoersaal-gestuehl-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Zeichentisch

folkwang-zeichentisch-schlagheck-design-archiv-800w

Folkwang – Tribünen – Klappstuhl

folkwang-tribuehnen-klappstuhl-schlagheck-design-archiv-800w

Westfalenhalle Dortmund mit Folkwang – Tribünen – Klappstuhl

westfalenhalle-dortmund-mit folkwang-tribuehnen-klappstuhl-schlagheck-design-archiv-800w

Ab 1953 verließen die ersten angehenden Formgeber die Schule und fanden Anstellungen u.a. bei Daimler-Benz, Ford, Auto Union, Siemens. Es zahlte sich jetzt aus, daß wir hier in Essen ”Pionierausbildung” erhalten hatten. Denn es ging jetzt um ”Baucharbeit” im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich in der vielfach verständnislosen Praxis der Unternehmen den Sinn für die gute Form und auch dafür zu entwickeln, daß die gute Form eben auch verkäuflich ist.
Es zahlte sich jetzt aus, die gestalterische Einflußnahme auf Industrieprodukte à la Glasenapp als ein ”Gesamtkunstwerk” zu verstehen, in das gleichermaßen technische wie fabrikatorische, aber auch gebrauchsästhetische und lebenspraktische Aspekte eingingen und in dem die Umsetzbarkeit auf den Märkten und damit die ”Marketingkomponente”, wie wir heute sagen würden, eine wichtige, wenn auch nicht ausschlaggebende Rolle spielte.

Neben Ulm, das einen ganz anderen Weg genommen hat, der – wenn es die Ulmer Hochschule jetzt auch schon seit 20 Jahren nicht mehr gibt – auch heute noch in vielem nachwirkt, ist Essen so zur neuen Wiege deutscher industrieller Formgestaltung geworden. Das spürt man bis heute. Überall, in den Designabteilungen der Unternehmen wie in den freien Büros, fand und findet man Leute, die entweder direkt von der Folkwang-Schule kommen, oder aber bei Angehörigen der ersten ”Essener Pioniergeneration” studiert haben. Ich glaube, dies würde Werner Glasenapp, unserem verehrten Lehrer und späteren Freund, am meisten gefallen.

50 Jahre später sind die Bedingungen, unter denen sich das nunmehr etablierte Fach Industrie Design bewähren muß, gewiß anders. Leichter in gewiß manchen Äußerlichen, aber in der Sache ebenso schwer, vielleicht schwerer als 1949. Damals – wie gesagt – war alles noch offen.
Das genau aber ist es, was ich festhalten möchte von damals für heute und die kommenden Jahre: Die Offenheit des Beginnens sollten sich die, die nach uns kommen, nicht abhandeln lassen. Gestaltung, wenn sie denn etwas taugen soll, muß etwas von dem Furor und dem Eros des Aufbrechens haben, von dem Losziehen – wie wir das 1949 gemacht haben, fast ohne ein konkretes Ziel, ohne erstmals erkennbaren roten Faden -, um dann das Vorläufige, Unstete in eine handhabbare Form, in eine Gestalt zurückzubinden, die bleibt und, wenn es wirklich gelingt, betören kann. Wichtig ist, habe ich meinen Studenten immer gesagt, – und dabei gedacht, Glasenapp würde vom Design-Olymp zustimmend nicken – den roten Faden nicht vorweg, sondern im Rückblick zu finden.

Ich wünsche der Folkwang-Schule, ihren Dozenten und Studenten, diesen seit 1949 ausgelegten roten Faden weiter fortzuspinnen, auch wenn erst im Rückblick – wie bei uns – erkennbar sein könnte, daß es tatsächlich der rote Faden war.

Es ist dies der Charme des Beginnens.

Vor fünfzig Jahren – wie heute.

Der Folkwang-Schule, der ich viel verdanke, alles Glück bei diesem schwierigen, aber wundervollen, immer neuen Beginnen.

Ich danke Ihnen!

Prof. Norbert Schlagheck

Vita – Norbert Josephine Alois Schlagheck

Professor Norbert Schlagheck
geboren 1925 in Wegberg-Beeck / Rheinland.
gestorben 2002 in Grafrath bei München.

1940 – 1947 handwerkliche Ausbildung als Schlosser, Kunstschmied und Gürtler, während des Krieges Ausbildung zum Pionier, Waffen- und Sprengmeister.

1949 – 1954 Studium als erster Studierender für „Industrial Design“ an der Folkwangschule für Gestaltung der Stadt Essen, die nach dem Krieg in Deutschland erste Ausbildungsstätte für „Industrial Design“ war. Mitaufbau dieses Studiengangs.

1954 – 1967 Designer bei der Siemens AG in Berlin, Erlangen und München. Intensive Mitarbeit am Aufbau einer funktionsfähigen Designabteilung. Leitung der Gestaltungsgruppe Hausgeräte. Mitarbeit bei der internen Fortbildung, Mitarbeit bei Ausstellungen, sowie beim Aufbau eines internen Designstudios für Zukunftsvisionen.
In dieser Zeit Teilnahme am BDI-Seminar „technische Morphologie“ an der TH München.
Langjährige Zusammenarbeit mit Odo Klose. Seit 1972 Professor für Industrie-Design an der Bergischen Universitätz in Wuppertal.

1961 Stipendium und Preis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie für den Flutlichtscheinwerfer AL 41.

1967 Gründung des Büros Schlagheck & Schultes Design GmbH in München.

1967 – 1970 Leiter des Lehrbereiches Industrial Design an den Kölner Werkschulen. Aufbau des Studiengangs „Industrial Design“ mit Herbert H. Schultes.

Seit 1972 Professor für „Industrial Design“ an der Fachhochschule München. Aufbau des Studienganges.
Tätigkeit als Juror für den „Danner-Preis“ der Stadt München, für den Bundespreis „Gute Form“ sowie für den Staatspreis für Nachwuchsdesigner des Bayerischen Ministers für Wirtschaft und Verkehr.

1984 – 1989 Schlagheck, Schultes und Schultheiss Designwerkstätten. (Prototypenbau)

1989 Erweiterung der Designwerkstätten im Bereich Modellbau mit Sohn Christian Schlagheck (Modellbauer). Umfirmierung zu Schlagheck & Partner Design Werkstätten GmbH.

1991 – 2000 Designbüro in München „Schlagheck Design“ mit Sohn Julian Schlagheck.

1996 Zusammenlegung Designbüro und Designwerkstätten zur heutigen Schlagheck Design GmbH.

Preise und Auszeichnungen:

  • SMAU, Milano
  • iF-Hannover
  • Design-Center Stuttgart
  • Die neue Sammlung, München
  • Museum of Modern Art, NY
  • Bundespreis Gute Form, Germany
  • Haus Industrieform, Essen
  • 1st Biennale for Industrial Design, Ljubljana
  • Industrial Design in Westgermany
  • Bayern greets, Colorado, USA
  • Warsaw, Cracow, Sophia
  • Design in Bayer, Peking
  • Österreichischer Staatspreis, Wien

Ein Gedanke zu „Folkwang Schule 1948 – 1955“

Kommentare sind geschlossen.